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Die Würzburger Kreuzbergwallfahrt zurück zur Startseite 1.Topographie Der Kreuzberg ist mit 928
m höchster Berg Unterfrankens und damit auch des alten Fürstbistums Würzburg.
Er ist dritthöchster Gipfel der Rhön, eines vulkanisch geprägten
Mittelgebirges auf der Grenze der Bundesländer Bayern und Hessen. Bis zur
touristischen Erschließung im 19. Jahrhundert war die Rhön ein einsamer und ärmlicher
Höhenzug fern
der Zentren. 2. Geschichte des
Kreuzbergs und der Wallfahrt Auf dem Gipfel befindet
sich eine vorgeschichtliche Ringwallanlage, die in der älteren Literatur ohne weitere Belege als Umfriedung
eines Kultbezirks gedeutet wurde, deren Funktion jedoch nicht wirklich
geklärt ist. Ursprünglicher Name des Berges ist „Aschberg“, oft als „Asenberg“
(germanisch für Götterberg) interpretiert, etymologisch aber eher vom althochdeutschen
„azzan“ (= äsen) im Sinne eines Weidebergs der umliegenden Siedlungen
und Herrschaften. Im Jahr 1000 schenkte Otto III.
die den Kreuzberg einschließenden Wälder an das Bistum Würzburg. 1164 erste urkundliche
Erwähnung als „Aschberg“ 1400 erste Hinweise auf
ein Berg-Kreuz und zugehörige Wallfahrten zu Kreuzfesten. 1500-1600 Zulauf zur
Wallfahrt trotz Bauernkrieg und Reformation. 1582 oder 1598 ließ der
Würzburger Fürstbischof
Julius Echter auf dem Berg ein Kreuz, Not-Hütten und eine Kapelle
errichten. Dem Gegenreformator war an der Stabilität
römisch-katholischer Traditionen gelegen. In der konfessionellen
Unentschlossenheit seiner Zeitgenossen präsentierte er seine Kirche, die
Römische, als
Schutzherrin der Wallfahrt und der Kreuzverehrung am heiligen Berg. In
einem machtpolitischen Sinn war die Kreuzaufrichtung auch Zeichen seines
Anspruchs auf das nördlich gelegene Gebiet der Fürstabtei Fulda. 1600-1700 Die Wallfahrt wurde weiter von den Fürstbischöfen gefördert. Die Kilianslegende
wurde um ein den Kreuzberg einschließendes Element erweitert: Im Jahre 686,
so hieß es nun, soll der irische Missionar und spätere fränkische
Bistumsheilige auf dem Kreuzberg einen Altar der Göttin Holla (in
Märchen noch als Frau Holle lebendig) umgestürzt
und ein Kreuz errichtet haben. Mit dieser Erweiterung folgte man dem
Beispiel der Bonifatius-Legende und
stellte die Kreuzerrichtung des Gegenreformators Julius Echter in einen
historischen Zusammenhang zur Christianisierung Frankens im frühen
Mittelalter.
1639 Die Kreuze wurden
von schwedischen Soldaten zerstört. Offenbar war ihre
gegenreformatorische Symbolik bekannt. Ab 1644 Betreuung der
Wallfahrt durch Franziskaner. 1647 Nachdem die
Wallfahrt lange Zeit nur lokale Bedeutung gehabt hatte, wurde nun eine erste
Prozession der „Bruderschaft zum heiligen Kreuz in Würzburg“
aktenkundig. 1681 Nachdem das
Franziskanerkloster zunächst im Tal errichtet worden war, wurden nun
Kirche und Kloster am heutigen Platz erbaut. 1699-1705 Neben dem
Kloster wurde ein Fürstenbau für Besuche des Bischofs errichtet. 1710 Kapellenkreuzweg. 1731 Brauerei wurde bewilligt und erbaut. 1791-1793 Der
aufklärerisch gesinnte Fürstbischof
von Erthal sah in den Fußwallfahrten nur unsinnige magische Rituale, die
obendrein die Gesundheit seiner Untertanen gefährdeten. Er versuchte die mehrtägigen
Wallfahrten abzuschaffen. Doch die Kreuzbergwallfahrt wurde weiter
betrieben. 1803 Das Kloster fiel
mit dem Bistum an das Königreich Bayern. In der Säkularisation durfte das
Kloster keine Novizen mehr aufnehmen. Die Wallfahrt wurde nun für „schädlich“
erklärt und verboten. 1826 König Ludwig I.
erlaubte dem Kloster wieder die Aufnahme von Novizen und der
Kreuzbruderschaft Würzburg die Wiederaufnahme der Wallfahrt. 1941 Im Kampf der NSDAP
gegen die Kirche verbot die
Gestapo die Wallfahrt, offiziell „wegen der knappen Ernährungssituation.“ Die Bruderschaft
durfte weiter bestehen. 1945 Wiederaufnahme der
Wallfahrt von Rimpar aus. 1950-1970 Abnahme der
Zahl der Wallfahrer. Seit 1970 Renaissance der
Kreuzbergwallfahrt. Zuletzt ca. 600 Teilnehmer jährlich. 3. Lokale
Felderprozession und überregionale Motivwallfahrt Nach den Quellen des hohen Mittelalters hatten die Umzüge am Berg zunächst den Charakter von Flurbegehungen, sie dienten der Bestätigung von Nutzungsrechten. Im späten Mittelalter wandelten sie sich zu Felderprozessionen mit der Bitte um gutes Wetter und gute Ernten. Ab dem 16. Jahrhundert stand das Kreuz Christi im Zentrum der Wallfahrt. Bis zu dieser Zeit kamen die Wallfahrer nur aus der Rhön und dem Grabfeld. Im 17. Jahrhundert kamen Fernwallfahrten hinzu. Sie werden bis heute mit Tagesleistungen von bis zu 50 Kilometern zu Fuß unternommen und dauern hin und zurück bis zu acht Tagen. Die größte Entfernung mit 120 Kilometern einfacher Strecke bewältigen die Wallfahrer aus Ochsenfurt. Da am Kreuzberg typische Merkmale anderer Wallfahrtsorte wie wundertätiges Gnadenbild, Votivkult, Gründungssage, Ablass und Krankenheilung fehlen und allein das Motiv des Kreuzes Christi mit der Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben die Wallfahrer bewegt, nennt der Wallfahrtsforscher Hans Dünninger die Kreuzbergwallfahrt eine "Motivwallfahrt".
4. Die Bruderschaften
- Träger der Motivwallfahrt Religiöse
Laienbruderschaften gründeten sich im Mittelalter zur gemeinsamen Sorge
um das Seelenheil ihrer Mitglieder. Sie halfen bei Bestattungen und
hielten das Totengedächtnis wach. Weitere Ziele waren die Armenfürsorge,
die finanzielle Unterstützung von Spitälern, die materielle Hilfe für
Mitglieder, die Verehrung eines Heiligen oder die Pflege eines mit
Christus verbundenen Glaubensinhaltes. Im Fall der Würzburger
Kreuzbruderschaft war und ist dies die Verehrung des heiligen Kreuzes als
Symbol der Auferstehung. Zur Praxis gehörten auch Prozessionen und
Wallfahrten. Für jedes verstorbene Mitglied lässt die Bruderschaft auch
heute noch eine Hl. Messe lesen und gedenkt der Toten bei Andachten und während
der Wallfahrt. Heute zählt sie rund 2.300 Mitglieder, auch Frauen und
Jugendliche sind als Mitglieder zugelassen. Die Aufnahme ist an keine
besondere Beteiligung geknüpft. Erwartet wird die Bereitschaft, sich um
ein christliches Leben zu bemühen. 5. Der Kreuzberg als
Ort fränkischer Identität Seit Julius Echter war
der Kreuzberg auch Symbol des politischen Herrschaftsanspruches des Fürstbistums Würzburg.
Nach der Säkularisation wurde er Symbol der
Eigenständigkeit der fränkischen
Landesteile im Königreich Bayern. Der zuvor einsame Gebirgszug der Rhön
wurde zum Kristallisationspunkt romantischer und nationaler Gefühle. Siehe
im Anhang die Lieder "Der heil'ge Berg der Franken" und "Kreuzberglied". 6. Die Infrastruktur
der Wallfahrt Ein Gepäcktransporter, Sanitätsfahrzeuge
und ein Reisebus begleiten den Weg. Die Wallfahrer übernachten in Stadthallen, Sporthallen,
Gasthöfen und privat. 250 Pilger kommen in den Schlafsälen im Kloster
unter. Für die geistige und körperliche Restauration am Zielort sorgen
Gottesdienst, Beichtgelegenheit, Klostergaststätte und die letzte
Franziskanerbrauerei in Deutschland. 7. Die aktuelle
Wallfahrtspraxis der Kreuzbruderschaft Würzburg Fester Termin der
Würzburger Gruppe ist jährlich der Zeitraum vom 20. bis 24.
August. Der Ablauf ist seit dem 17. Jahrhundert kaum verändert. Zu
bewältigen sind 173 km Fußweg hin und zurück an 5
Tagen, am ersten Tag allein 50 Kilometer. Auf dem Weg finden zahlreiche
Gottesdienste und Andachten statt. Weitere Pausen heißen „Gesundheitsrast“. Es
gibt Regeln für das Tragen der Kreuze und für den geordneten
Ein- und Auszug an verschiedenen Kirchen auf dem Weg. Eine Kleiderordnung
soll allzu "sportliche" Kleidung verhindern. Eine strenge
Prozessionsordnung begrenzt den Streit um die Position in der
langgezogenen Prozession. Die Reihenfolge der Teilnehmer im Zug ist am 1./3./5. Tag Männerkreuz
Männergruppe / Frauenkreuz Frauengruppe / Blaskapelle Vorbeter/ gemischte
Gruppe. Am 2./4. Tag Frauenkreuz Frauengruppe / Männerkreuz Männergruppe /
Blaskapelle Vorbeter / gemischte Gruppe. Die Selbstdefinition der
Würzburger Wallfahrt lautet: „Es ist kein Volkslauf mit religiösem Vorzeichen, sondern ein Gottesdienst
unterwegs. Exerzitien auf der Straße, Beten mit den Füßen. Singen und Beten auf dem Weg.“
Die Stadt begrüßt die rückkehrenden Wallfahrer jährlich mit einem Straßenfest,
der "Zwiebelkirchweih" in
der Semmelstraße. 8. Frommes Ritual,
Naturerlebnis oder Bierwallfahrt? -
Versuch eines aktuellen ethnologischen Blicks auf die Kreuzbergwallfahrt „Den Kreuzberg herauf
kam ein endloser Zug, die einen zur Kirche, die anderen zum Krug …“ schrieb
der Würzburger Theologieprofessor und spätere Kardinal Michael Faulhaber
in seinem Eintrag ins Gästebuch des Klosters im Jahr 1901. Ob der
Kirchenmann die Motive der „Waller“ damit ganz erfasst hat? Der
Volkskundler Wolfgang
Brückner nennt die Wallfahrt ein „komplexes System von
Handlungsspielen“. Zahlreiche und scheinbar widersprüchliche Motive
mischen sich dabei. Einerseits hat das Wallfahren etwas traditionelles, andererseits hat
es als Gemeinschaftserlebnis in unserer individualisierten
Kultur auch den Charakter einer sozialen Utopie. Einerseits geht es um das
Gebet, um eine Begegnung mit Gott, andererseits auch um menschliche
Begegnung über soziale Schichten und Generationen hinweg. Der
Klostertrunk dient nicht nur dem leiblichen Genuss, er ist vor allem
„Schmiermittel“ dieser menschlichen Begegnungen. Er lockert abends die
tagsüber aus sportlicher Konkurrenz und hierarchischen Gruppenprozessen
entstandenen Spannungen. Die Fußwallfahrt ist auch ein Gegenpol zu Elementen
unserer modernen Kultur wie des Denkens in Nützlichkeitskategorien oder
der leichten körperlosen Mobilität. Im Alltag steigt man mit Sport aus dieser Welt kurzzeitig aus, bei einer Fußwallfahrt
gelingt dieser Ausstieg für einige Tage in einer Verbindung von Geist und
Körper. Die Routine des Alltags hinter sich zu lassen und sich in neuer
Umgebung auszuprobieren, könnte ein ganz ursprüngliches Motiv von
Wallfahrern aller Zeiten gewesen sein. Dabei ist die Kreuzbergwallfahrt
heute kein beliebiges "Event" der Freizeitgesellschaft. Denn in fünf Tagen ein vielhundertseitiges Gebetbuch mitzusprechen, zahlreiche
Andachten und Messen zu erleben und endlos christliche Lieder der
traditionellsten Art zu singen, setzt ein gewisses religiöses Interesse voraus. 9. Literatur:
(alphabetisch) Albert, Reinhold (Hg.):
Soli Deo Gloria. Kreuzberg, Wallfahrt und Kloster. Bischofsheim/Rhön
2005. Brückner, Wolfgang: Die
Wallfahrt zum Kreuzberg in der Rhön. Würzburg 1997. Dünninger, Hans:
Wallfahrt und Bilderkult. Gesammelte Schriften.
Würzburg 1995. Götz, Gerhard (Hg.):
Wallfahrtsbuch Kreuzbruderschaft Arnstein. Arnstein 1987. Sturm, Erwin:
Klosterkirche der Franziskaner und Wallfahrt zum Hl. Kreuz, Kreuzberg i.
d. Rhön. Schnell Kunstführer Nr. 1243. 2. Auflage. München 1983. 10. Webseiten zum
Thema: www.franziskaner.de
Homepage der Franziskaner in Deutschland www.kreuzbergbier.de
Homepage des Franziskanerklosters Kreuzberg www.wallfahrt.bistum-wuerzburg.de
Offizielle Seite über Wallfahrten im Bistum Würzburg http://uploader.wuerzburg.de/wallfahrt
Homepage der Kreuzbruderschaft Würzburg
Anhang:
Wallfahrtslyrik
Kreuzberg Wie viele Menschen fanden dort das Glück des Lösens
von der Erden. Es ist fürwahr ein guter
Ort, der jeden lässt gelöster
werden. Dem einen wird’s im
Beichtstuhl leicht, der andre lobt den
frischen Wind, beim nächsten
Klosterbier erreicht, dass alle Sorgen leichter
sind. Noch keiner ist hinauf
gewallt, der nicht gelöster kam
von oben. Drum lasset uns, ob jung,
ob alt, den heil’gen Berg der
Franken loben.
Der heil’ge Berg
der Franken (Lied-Auszug) … Der Berg ist unser
Eigentum, er ist unser Vaterhaus. … … Der Herrgott reicht
uns seine Hand, hier oben ist die Welt noch schön. …
Hier rauschen die Wälder,
hier weht ein frischer Wind, da geht uns die Natur ins
Blut, wir sind stolz, dass wir Rhöner sind.
Kreuzberglied (Auszug) Schatz, merke dir, hier
gibt’s prima Klosterbier. Wer sich daran schadlos hält, dem verschönert’s die
ganze Welt, dass er jodelt und ruft: „Hoch lebe die
Kreuzberger Luft!“
Grüß mir die Heimat, grüß
mir mein Rhönerland Mit seinen Bergen, mit
seinem Saalestrand! Dort wo der Kreuzberg
winkt, dort wo die Saale rauscht, ist meine Heimat, ja da
bin ich zu Haus. Autor unbekannt.
Heimatverbunden und romantisch, doch der flotten Art nach eher im 20.
Jahrhundert entstanden. (Quelle:
www.wallfahrt.bistum-wuerzburg.de) Marienblume 1. Es blüht der Blumen
eine auf ewig grüner Au; wie diese blühet keine, so weit der Himmel
blau. Wenn ein Betrübter weinet, getröstet ist sein Schmerz, wenn ihm
die Blume scheinet ins leidenvolle Herz. 2. Und wer vom Feind
verwundet zum Tode niedersinkt, von ihrem Duft gesundet, wenn er ihm gläubig
trinkt. Die Blume, die ich meine, sie ist euch wohlbekannt, die
Fleckenlose, Reine, Maria wird genannt. 3. Maria ist's die süße,
die Lilie auserwählt, die ich von Herzen grüße, die sich der Herr vermählt.
Maria ist's die Reine, die also lieblich blüht, dass in so lichtem
Scheine der Rosen keine blüht. 4. Erfreue, süße Blüte,
der Erde finstre Gruft; erblühe im Gemüte mit Deinem Himmelsduft! Und
Heiligkeit und Frieden verleihe unserer Brust, und nach dem Tod hienieden
des Himmels ew'ge Lust! Traditionelles
Wallfahrtslied der Kreuzbruderschaft Würzburg, gesungen zum Abschluss der
Wallfahrt im Neumünster. Autor unbekannt. Eventuell auf einem Urtext der
Barockzeit basierend. In dieser Version jedoch vom Leid der
Kriegserfahrung geprägt und vermutlich während des ersten Weltkriegs
entstanden. Quelle: http://uploader.wuerzburg.de/wallfahrt)
Autor:
Stadtführer und Museumsführer Rudi Held Stichworte: Wallfahrt Würzburg Kreuzberg Bruderschaft
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